Lenny Kravitz - Funk & Soul sind die Basis von "Black And White Amerika"

Jazzige Bläser, ein funkiger Bass, spritzige Gitarren - so wie Lenny Kravitz mit dem Titelsong "Black And White America" in sein neuntes Studioalbum einsteigt, so klingt er auch auf dem Rest der 16 Songs. Er bringt Funk, Soul, R&B und somit den Spaß zurück in seinen Sound.
Dazwischen gibt es etwas Pop ("In The Black"), Rap ("Boongie Drop") und Gospel ("The Faith Of A Child". Geblieben sind die ansteckenden Melodien, die rockigen Gitarrenriffs, die Text-Themen Liebe und Frieden und die "Du schaffst es"-Botschaften. Doch mit der musikalischen Basis so ambitioniert wie nach einer Frischzellenkur klingen sie - selbst wenn Kravitz gelegentlich vom Storytelling ins Predigen verfällt - erträglich.
Das Domizil von Lenny Kravitz auf den Bahamas ist schlicht: ein Caravan am Stand, davor zwischen Palmen, eine Hängematte. Im KURIER-Interview erzählt der Rock-Millionär, der Immobilien in New York, Paris und Miami besitzt, warum er gerade fernab vom Luxus seine alte Form wieder fand.
KURIER: Sie haben schon immer Botschaften von Positivität in ihren Alben forciert. Während man aber beim letzten das Gefühl hatte, dass sie um diese Positivität kämpfen müssen, scheint sie bei "Black And White America" ganz natürlich aus einer inneren Stärke herauszukommen. Lenny Kravitz: Eine gute Beobachtung. Das liegt an der Art, wie ich "Black And White America" aufgenommen habe - nämlich in einem sehr ruhigen und friedlichen Umfeld. Ich habe drei Jahre lang auf den Bahamas in meinem Karavan am Strand gewohnt, Musik gemacht und zwischendurch in einem Studio - auch auf den Bahamas - aufgenommen. Drei Jahre habe ich so gelebt, und es war eine sehr wichtige Zeit. Eine Zeit, die ich gebraucht habe, um nachzudenken, zur Ruhe zu kommen und mich selbst wieder zu spüren.
Wovon zur Ruhe zu kommen? Hatten Sie davor Probleme? Keine Probleme, nein. Aber mein Leben bedeutet, dass immer sehr viel Energie nach außen geht. Ich bin ständig unter Leuten, führe Verhandlungen, reise viel, muss Entscheidungen treffen. Da sind so viele Termine, da ist so viel Gerede und sehr oft muss ich dabei meine eigenen Gefühle zur Seite schieben. Ich habe diese Zeit gebraucht, um wieder mit mir selbst ins Reine zu kommen, zu sehen wo ich stehe und inneren Frieden zu finden.
"Black And White America" ist der einzige Song auf dem Album, der eine politische Botschaft hat. Warum haben sie ihn zum Titelsong erkoren? Weil es das ist, was ich bin - ein Mischling. Weil es das ist, was meine Eltern waren, und das Thema, mit dem ich mich auseinander setzen musste, als ich aufwuchs. Deshalb steht mir das Thema sehr nahe. Anlass für den Song war eine TV-Dokumentation, in der Amerikaner darüber gesprochen haben, wie sie Amerika mit einem afro-amerikanischen Präsidenten sehen. Sie waren voll von Hass und Vorurteilen und wollten im Prinzip zurück zum rassistischen Amerika von vor 100 Jahren. Der Song war meine Antwort darauf.
Ihre jüngste Single "Stand" ist mit der Botschaft, dass man alle Schwierigkeiten überwinden kann, wenn man nur will, ein ganz typischer Kravitz-Song. Glauben Sie nicht, dass das zum Beispiel Langzeit-Arbeitslose frustriert?
Sicher gibt es Situationen, die man nicht so leicht ändern kann. Aber in dem Lied geht es mehr darum, sich selbst aufzubauen und nicht hängen zu lassen, wenn einem das Leben Hindernisse in den Weg legt. Die konkrete Inspiration für diesen Song war ein Freund, der plötzlich von der Hüfte abwärts gelähmt wurde. Ich wollte ihm etwas Positives geben, das er sich anhören kann. Und jetzt geht er wieder. Ich sage nicht, dass das an meinem Song liegt, denn er hatte natürlich Operationen und Physiotherapie und nimmt Medikamente. "Stand" war einfach nur mein Weg, mit der Situation umzugehen.
Bericht aus KURIER online |