Bruno Mars - Der Barde aus Hawaii
13.10.2011 | 18:23 | SAMIR H.KÖCK (aus Die Presse)
Bruno Mars, Chefoptimist der Hitparade, war mit famoser Band in der Wiener Stadthalle: viel Gekreisch um sein knackiges Gemisch aus R&B, Funk, Rap und Reggae.
Man weiß es ja: Kleine Männer werden von der Damenwelt nicht immer fair behandelt. Um so titanischer sind sie bemüht, sich zur Geltung zu bringen. Und das Showbusiness ist eine beliebte Zuflucht für jene, die trotz kleinen Wuchses Garant großer Freuden werden wollen. Der 25-jährige Hawaiianer Bruno Mars (1,65 Meter) hat sich 2010 musikalisch und erfolgsmäßig zwischen Prince (1,58 Meter) und Mick Jagger (1,73 Meter) gewuchtet. Mars, der eigentlich Peter Gene Hernandez heißt, changiert geschmeidig zwischen R&B und Funk, Rap und Reggae. Er verfügt über eine Stimme, die zuweilen klingt, als hätte ihr Besitzer Helium eingeatmet. Auf jeden Fall ist sie erstaunlich androgyn, was einen reizvollen Kontrast zu den sinnlichen Sounds bietet, die tief in der Tradition der schwarzen Musik wurzeln. Mit Hilfe alter Versatzstücke werden da höchst frische Klänge gezaubert.
Butterweiches Falsett
Auch live. Nach kurzer Einstimmung mit den alten R&B-Recken Lee Dorsey und Sam Cooke aus der Konserve trippelte Mars vor die Augen seiner kreischenden Fans: Ein verwegenes Jazzhütchen am Haupt, eine willige Gitarre um den Hals, stimmte er „The Other Side“ an. Auf seinem Erfolgsalbum „Doo-Wops & Hooligans“ singt er es mit Cee Lo Green, dem er auch dessen Megahit „Fuck You“ komponiert hat. Trotz kompromissloser Beats fand Mars' Stimme in diesem Song immer wieder Platz für butterweiche Falsetteinschübe, die große Ähnlichkeit mit dem Refrain von Chris Isaacs „Wicked Game“ hatten. Diese kleine Soundmimikry störte niemanden. Die in der Überzahl befindlichen Teenager kannten das Original nicht, die anderen, durchwegs der 40-plus-Generation entstammenden Besucher labten sich daran. Völlig abwesend waren die mit elektronischer Musik sozialisierten 30-Jährigen. Diesen gar nicht so rätselhaften Generation Gap hat Mars offenbar mitbekommen: Mit einem herzhaften Medley aus Berry Gordys steinalter R&B-Nummer „Money“ und seinem im letzten Jahr für den Rapper Travie McCoy komponierten „Billionaire“ führte er die Jungen und Alten zusammen.

Berry Gordys „Money“, 1960 mithilfe des Sängers Barrett Strong zum Hit geworden, legte einst den Grundstein für das Motown-Imperium. Mit durch und durch eigennützigen Zeilen („The best things in live are free, but you can give them to the birds and the bees. I need money. That's what I want“) kann es vor dem heutigen Zeitgeist nicht mehr bestehen. Anders „Billionaire“ mit seiner altruistischen Botschaft: Abgesehen von der kleinen menschlichen Schwäche, auf dem Cover des „Forbes“-Magazins zwischen der Queen und Oprah Winfrey abgebildet werden zu wollen, hat der Protagonist nichts als Nächstenliebe im Sinn: „So everybody that I love can have a couple of bucks, and not a single tummy around me would know what hunger was.“

Ode an den ersten Sex
Dass diese Zeilen live auf sanft schaukelnde Reggae-Rhythmen gebettet waren, erhöhte das allgemeine Behagen und bereitete optimal auf „Our First Time“, die erste Ballade des Abends, vor. Behutsam ließ Mars zum ausufernden Gekreische der Fans die Silben dieser Ode an den ersten Sex über seine Lippen tröpfeln.
Dramaturgisch geschickt wechselte Mars von Allerweltsliedchen wie dem mit Ukulele gespielten „Count On Me“ zu Happy-Go-Lucky-Reißern wie „The Lazy Song“. Besonders hübsch glückte das Doowop-Intro zum hinreißend naiven „Marry You“, das – gänzlich unbeleckt von der bitteren Wahrheit, dass alles, was im Leben gut ist, irgendwann mal zu schmerzen beginnt – schwärmerische Ballons aufsteigen ließ. Diese unbedingte Hinwendung zum Optimismus macht die Magie von Bruno Mars' Liedern aus. Da waren auch seine größten Hits keine Ausnahme. „Just The Way You Are“ verlor sich angesichts weiblicher Schönheit vollends im Träumen und Trachten, und „Grenade“ propagierte juvenile „Easy Come Easy Go“-Ideologie. Auf Letztere konnten sich auch die mit Altersbegierde Belasteten einigen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2011)
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